Der Lockentyp beschreibt, wie stark sich eine Strähne wellt oder kringelt. Er beantwortet aber nicht gleichzeitig die Frage, welche Pflege Deine Locken brauchen. Genau hier wird die Haarporosität interessant: Sie beschreibt vereinfacht, wie leicht Wasser und Pflege in die Haarfaser gelangen und wie gut die Strähne Feuchtigkeit anschließend halten kann.
Porosität ist deshalb ein hilfreicher Baustein bei der Produktauswahl – aber kein starres Etikett. Chemische Behandlungen, Hitze, UV-Belastung und mechanische Beanspruchung können den Zustand einzelner Partien verändern. Selbst innerhalb einer Lockenkrone kann die Porosität unterschiedlich sein.
Was bedeutet Haarporosität?
Die äußere Schicht einer Strähne besteht aus schuppenartig angeordneten Zellen. Je nachdem, wie dicht oder angegriffen diese Oberfläche ist, können Wasser und Inhaltsstoffe unterschiedlich leicht eindringen und wieder entweichen.
Für die Praxis wird häufig zwischen niedriger, mittlerer und hoher Porosität unterschieden. Diese Einteilung hilft dabei, Beobachtungen zu sortieren. Sie ersetzt jedoch nicht den Blick darauf, wie sich Deine Locken tatsächlich verhalten.
Niedrige Porosität: typische Merkmale
Bei niedrig porösen Locken nimmt die Strähne Wasser und reichhaltige Produkte oft langsamer auf. Produkte können länger auf der Oberfläche liegen und die Locken wirken bei zu vielen Schichten schnell beschwert.
Das bedeutet nicht, dass niedrig poröse Locken keine Pflege brauchen. Häufig funktionieren leichtere Produkte und eine sparsamere Dosierung besser. Wärme unter der Dusche oder beim Deep Conditioning kann zusätzlich helfen, die Pflege besser in die Locken zu bringen.
Auch bei Protein lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Niedrig poröse Locken kommen häufig mit wenig oder seltener angewendetem Protein besser zurecht. Zu viel Protein kann sich auf der Lockenoberfläche anlagern und dazu führen, dass sich die Locken hart, trocken oder strohig anfühlen.
Protein muss deshalb nicht grundsätzlich vermieden werden. Beobachte vielmehr, wie Deine Locken darauf reagieren. Fühlen sie sich bereits kräftig und wenig elastisch an, darf der Fokus stärker auf Feuchtigkeit liegen. Wirken sie dagegen sehr weich, kraftlos oder verlieren schnell ihre Form, kann auch bei niedriger Porosität eine kleine Portion Protein sinnvoll sein.
Mittlere Porosität: oft unkomplizierter
Bei mittlerer Porosität funktionieren Wasseraufnahme und Feuchtigkeitsspeicherung häufig relativ ausgeglichen. Die Locken nehmen Pflege gut auf, ohne sie allzu schnell wieder zu verlieren. Viele Routinen lassen sich deshalb leichter anpassen.
Auch das Verhältnis zwischen Feuchtigkeit und Protein ist bei mittlerer Porosität häufig unkomplizierter. Die Locken kommen meist sowohl mit feuchtigkeitsspendenden als auch mit proteinhaltigen Produkten gut zurecht. Statt Protein grundsätzlich zu vermeiden oder besonders häufig einzusetzen, kannst Du Dich danach richten, was Deine Locken gerade brauchen.
Trotzdem können auch diese Locken durch Färben, Blondieren, regelmässige Hitze oder andere Belastungen poröser werden. Porosität ist keine unveränderliche Eigenschaft und kann sich auch innerhalb Deiner Lockenkrone unterscheiden.
Hohe Porosität: Feuchtigkeit kommt hinein – und oft schnell wieder heraus
Hoch poröse Locken nehmen Wasser und Pflege häufig sehr schnell auf, verlieren die Feuchtigkeit aber ebenso rasch wieder. Sie können sich direkt nach dem Waschen wunderbar weich anfühlen und einige Zeit später bereits wieder trocken oder rau werden.
Eine stärker geöffnete oder geschädigte Schuppenschicht kann beispielsweise durch Blondieren, chemische Behandlungen oder häufige starke Hitze entstehen. Manche Locken sind aber auch von Natur aus poröser.
Hier spielt die Balance zwischen Feuchtigkeit und Protein eine besonders wichtige Rolle. Feuchtigkeit hält die Locken geschmeidig und elastisch, während Proteine geschädigte Bereiche der Lockenstruktur unterstützen können. Hoch poröse oder chemisch behandelte Locken profitieren deshalb häufig von Protein in ihrer Pflegeroutine.
Conditioner, Leave-in und bei Bedarf eine reichhaltigere Lockencreme helfen dabei, Feuchtigkeit in den Locken zu halten. Ein Gel kann die Routine anschliessend versiegeln und für Definition und Halt sorgen.
Auch bei hoher Porosität gilt jedoch: Mehr ist nicht automatisch besser. Werden die Locken durch zu viel Protein hart, trocken oder strohig, braucht es wieder mehr Feuchtigkeit und weniger Protein. Werden sie dagegen sehr weich, kraftlos und verlieren ihre Form, kann Protein genau das sein, was ihnen gerade fehlt.
Wie kannst Du Deine Haarporosität testen?
Beobachte Deine Locken im Alltag
Die zuverlässigste Information liefert oft nicht ein einzelner Schnelltest, sondern das Verhalten Deiner Locken über mehrere Waschtage. Werden Deine Locken nur sehr langsam vollständig nass? Bleiben Cremes und andere Produkte lange auf der Oberfläche? Oder saugen die Locken Wasser sehr schnell auf und trocknen danach ebenso schnell wieder aus?
Auch die Oberfläche Deiner Locken kann Dir einen Hinweis geben. Nimm dafür eine einzelne Strähne zwischen zwei Finger und fahre ganz vorsichtig von den Spitzen entgegen der Wuchsrichtung nach oben. Fühlt sich die Strähne dabei deutlich rau oder uneben an, kann das auf eine stärker geöffnete Schuppenschicht und damit auf eine höhere Porosität hindeuten. Bei niedrig porösen Locken fühlt sich die Oberfläche häufig glatter an, da die Schuppenschicht enger anliegt.
Betrachte diesen kleinen Fühltest aber immer zusammen mit den anderen Eigenschaften Deiner Locken. Ein einzelnes Merkmal reicht nicht aus, um die Porosität zuverlässig zu bestimmen.
Warum der Wassertest nur begrenzt aussagekräftig ist
Beim bekannten Glas-Wasser-Test wird eine Strähne in Wasser gelegt und danach beurteilt, ob sie schwimmt oder sinkt. Das Ergebnis kann jedoch durch Talg, Produktreste, Oberflächenspannung und die Dicke der Strähne beeinflusst werden. Nutze ihn daher höchstens als zusätzliche Beobachtung, nicht als eindeutige Diagnose.
Mehrere Merkmale kombinieren
Beziehe Trocknungszeit, Produktaufnahme, Gefühl der Längen, Vorgeschichte der Locken und Reaktion auf Pflege mit ein. So entsteht ein deutlich brauchbareres Bild als durch einen einzelnen Test.
Produkte nach Porosität auswählen
Bei niedriger Porosität sind leichte Formulierungen und eine sparsame Dosierung oft ein guter Ausgangspunkt. Viele schwere Schichten aus Creme, Butter und Öl können sich sonst auf der Oberfläche sammeln.
Bei höherer Porosität können reichhaltigere Conditioner, Leave-ins und gelegentliche Masken sinnvoll sein. Proteine können bei manchen porösen oder geschädigten Locken Struktur unterstützen, sind aber keine Pflicht für jede hoch poröse Locke.
Bei mittlerer Porosität lohnt es sich vor allem, nach aktuellem Zustand zu entscheiden: trocken, ausgewogen, überpflegt, gefärbt oder besonders frizzanfällig.
Porosität ist nur ein Teil der Routine
Zwei Menschen mit gleicher Haarporosität können völlig unterschiedliche Produkte brauchen. Eine Person hat vielleicht feine, dichte Wellen, die andere kräftige, eher trockene Locken. Neben der Porosität spielen Strähnendicke, Dichte, Kopfhaut, chemische Behandlungen und Stylingziele eine wichtige Rolle.
Nutze Porosität deshalb als Orientierung, nicht als Regelbuch.
FAQ
Wie finde ich heraus, welche Haarporosität ich habe?
Beobachte vor allem, wie schnell Deine Locken nass werden, wie Produkte einziehen, wie lange Feuchtigkeit erhalten bleibt und wie schnell die Längen trocknen. Ein einzelner Wassertest ist weniger aussagekräftig als mehrere Beobachtungen.
Kann sich Haarporosität verändern?
Ja. Blondieren, Färben, Hitze, UV-Strahlung und mechanische Belastung können die Haaroberfläche verändern. Neue, unbehandelte Ansätze können deshalb eine andere Porosität haben als ältere Längen.
Brauchen hoch poröse Locken immer Protein?
Nein. Protein kann bei manchen geschädigten oder sehr porösen Locken hilfreich sein, ist aber nicht automatisch nötig. Entscheidend ist, wie Deine Locken darauf reagieren.
Welche Produkte passen zu niedriger Porosität?
Oft sind leichtere Produkte und kleinere Mengen ein guter Start. Wichtig ist jedoch auch hier, Strähnendicke, Dichte und aktuellen Pflegebedarf mitzudenken.
Fazit
Die Haarporosität kann erklären, warum ein Produkt bei zwei ähnlich aussehenden Lockentypen völlig unterschiedlich funktioniert. Sie ist deshalb eine wertvolle Ergänzung zum klassischen Lockentyp – aber kein Ersatz für Beobachtung und individuelle Anpassung.
Bei lockenkopf kannst Du Produkte unter anderem nach Porosität, Proteinanteil und Strähnendicke filtern. Wenn Du Dir bei Deiner Einordnung nicht sicher bist, kann eine individuelle Produktempfehlung helfen, die Routine sinnvoll einzugrenzen.




